Der ganz normale Wahnsinn

Wir kennen sie schon seit Jahren und sind nicht müde geworden, ihnen beim Leben, Lieben und Leiden zuzusehen. Nun soll es sogar eine Fortsetzung geben. Ob die Gilmore Girls das auch so toll finden würden?

GilmoreGirls

Wer die Serie nicht in ihrer eigentlichen Reihenfolge anschaut, dem wird der erste Witz wohl gleich verborgen bleiben: Mutter und Tochter heißen gleich. Einfallslosigkeit von Seiten der mütterlichen Lorelai? Vielleicht. Man könnt es zumindest als eine solche bezeichnen. Aber ist ja auch egal, schließlich nennt sich Klein-Lorelai lieber Rory.

Ja, als Superkind mit dem unaufhörlichen Drang nach Wissen und Bildung hat man es nicht leicht. Kaum den Sprung auf eine Privatschule geschafft, beginnen die Probleme: die Klassenkameradinnen machen es Rory nicht leicht und dann ist auch noch ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt die erste Liebe in Sicht. Aber wer hat schon gesagt, dass das Leben leicht ist? Prioritäten muss man setzen, so auch Rory. Und sie entscheidet sich richtig, nach anfänglichem Schlingern und naiven Vorstellungen. Das Wort „naiv“ im Zusammenhang mit dem Superhirn zu gebrauchen, ist vielleicht komisch, doch ja, am Anfang lässt sich dieser Charakterzug durchaus in der ein oder anderen Situation bemerken. Lieb, nett, freundlich, das Mädchen vom Lande. Doch dann merken wir, die Zuschauer, immer mehr, wie sich dieses kleine, langhaarige Mädchen entwickelt. Von der süßen Enkelin, die es allen Recht machen will, zur Nein-Sagerin und Kontrageberin. Wirklich erfrischend.

Mindestens genauso erfrischend ist ihre Mutter, die ihr Leben seit ihrem sechzehnten Lebensjahr (das Jahr, in dem Rory zur Welt kam) selbst in die Hand genommen hat. Auf den Mund gefallen ist sie nicht. Nein, ganz und gar nicht. Was für den einen nervtötend  und kindisch wirken mag, ist für andere einfach unterhaltsam. So ganz unkompliziert ist sie dann aber nicht, auch wenn sie manchmal den Eindruck erweckt. Dennoch, eine Mutter, die ihrer Tochter mehr Freundin als elterliche Autoritätsperson ist.

Auch wenn Lorelai selbst nicht wie ihre Mutter Emily werden will, finden sich immer wieder Parallelen zwischen den beiden Frauen – und das nicht nur bei der abendlichen Abschminkprozedur. Sie, die Kaffeesucht und die Sturköpfigkeit sowie das planerische Talent sind nur ein paar der Gemeinsamkeiten.

Die Sache mit den Beziehungen

Für Männer hat Lorelai zwar was übrig, der Richtige müsste es allerdings schon sein. Erst beginnt es mit Max, den sie fast heiratet. Aber sind wir doch mal ehrlich: Eine Heirat wäre zu diesem Zeitpunkt der Serie langweilig gewesen. Lieber ausreißen und dann die Verlobung lösen. Für uns Zuschauer perfekt, denn wie soll es nun mit Lorelai weitergehen? Kein Problem, da gibt es ja noch Jason Stiles. Wieder braune Haare, Geschäftspartner von Lorelais Vater und trotz aller Seriosität ein bisschen durchgeknallt. Aber auch irgendwie langweilig. Letztendlich wird auch diese Liebensgeschichte kein gutes Ende haben, aber immerhin überhaupt ein Ende. Und dann kommen wir endlich zu der Person, auf die wir die ganze Zeit schon gesetzt haben: Luke. Cafébesitzer, etwas kauzig, aber herzallerliebst (wenn man einen guten Tag erwischt). Das Problem: Rorys leiblicher Vater. Nie erwachsen geworden, jedoch ständig andere Flausen im Kopf und – zumindest gefühlt – fast ständig präsent.

Rory hat auch so den ein oder anderen Jungen. Klingt schlimmer als es ist, denn eigentlich sind es drei feste Freunde: der liebe Dean, der chaotische Jess und der reiche Logan. Und diese drei tauchen immer wieder auf. Nur gut, dass ihr ihre beste Freundin Lane immer zur Seite steht. Auch wenn die beiden Mädchen unterschiedlicher nicht sein können, so wollen sie beide ihren eigenen Platz im Leben finden und ihren Traum leben.

Eine Forsetzung? Wirklich eine gute Idee?

Die Serie schaut man sich gerne an, doch weswegen? Was wird schon Großartiges erzählt, zeigt sie doch einfach nur Ausschnitte aus dem Leben zweier Personen, die auch nicht anders sind als du und ich. Und dennoch: Der Wortwitz und die Leichtigkeit, mit der die Girls zusammen durch Dick und Dünn gehen, sind unübertrefflich. Klar, es schwankt mal hier, es fetzt sich mal dort, aber dennoch sind die beiden unzertrennlich. Was soll nun also eine Fortsetzung bringen?

Normalerweise verhält es sich mit Fortsetzungen ja nicht so gut. Oftmals können sie vorangegangenen Teilen nicht das Wasser reichen. Und wenn nun die Gilmore Girls wieder auf der Leinwand erscheinen werden, dann bekommt unsere idealistische, märchenhafte Vorstellung vom Leben der Beiden einen Knacks. Wieso? Weil wir uns in Gedanken schon längst unser eigenes Ende geschrieben haben und nur enttäuscht sind, wenn es nun anders kommt. Oder wir haben uns gar keine Gedanken gemacht und alles einfach so stehen gelassen. Egal wie es ausgeht, Enttäuschung ist vorprogrammiert. Oder?

Trotz alledem ist die Serie für weibliche Zuschauer toll. Leicht, spritzig, witzig. Alltagsnah, spießig und wortreich. Chaotisch, romantisch  und herzzerreißend. Von allem ein wenig – oder etwas mehr – eben. Deswegen: Schnappen wir uns eine Tasse Kaffee (oder „[…]Kaffee, Kaffee, Kaffee“) und dann heißt es: „Alles auf Anfang.“

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