Mut ist die Akzeptanz von Risiko

Kennst du das Gefühl, wenn du etwas gewagt und dann Angst vor deiner eigenen Courage hast? Wenn man eine Entscheidung getroffen hat und sich dann selbst etwas für verrückt hält, aber dennoch ein positives Gefühl hat?

„Wenn du möchtest, dann können wir den Flug auch sofort buchen.“ Was eine gute Freundin von mir da vorschlug, war ein nettes Angebot. Nicht nur, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht genau wusste, wie ich Flüge online buchen musste. Ich hatte keine Ahnung, wie es beruflich für mich weiterging, ob ich an besagtem Termin – trotz Feiertag – überhaupt frei hätte. Doch eigentlich konnte ich dieses Angebot nicht ausschlagen. Es war etwas Neues, etwas Mutiges. Also nahm ich dankbar an.

Etwa fünf Minuten später war alles geregelt. Der Flug nach Wien war gebucht, ich selbst fühlte eine Mischung aus Vorfreude und Ungewissheit. Mein erster Flug alleine. Ohne Freunde. Ohne die Familie. Doch die Lust, etwas zu wagen, war einfach zu verlockend, die Reiselust zu groß.

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Ein paar Wochen später war es dann endlich soweit. Am Morgen packte ich noch ein paar Habseligkeiten in den Rucksack, der mir ein treuer Begleiter ist und immer seinen Platz im Handgepäck findet. Mit ihm bewaffnet stieg ich in den Zug, der mich Richtung Flughafen brachte.

Komischerweise war ich zu diesem Zeitpunkt recht ruhig. Ich hatte mich vorbereitet, wusste, wie ich vom Wiener Flughafen in die Innenstadt kommen würde und an welcher Haltestelle ich aussteigen musste. Ein großer Punkt war auch die nicht vorhandene Sprachbarriere. Sollte ich nicht weiterwissen, konnte ich ohne Probleme auf Deutsch nachfragen. In Wien selbst würde ich nicht alleine sein, und vielleicht machte mich auch diese Tatsache so ruhig. Ich wusste, dass da jemand auf mich warten würde.

An der Sicherheitskontrolle war ich trotz Piepen die Ruhe selbst, sagte zur Beamtin, dass ich nichts zu verbergen hätte. Dass mein Gürtel sich auch unbedingt bemerkbar machen musste, obwohl er sonst der unscheinbarste Begleiter ist, war in Ordnung. Jeder braucht zu einem bestimmten Zeitpunkt einmal Aufmerksamkeit.

Offene Türen erkennen und nutzen

Vor dem Gate fühlte ich mich wie eine kleine Welteroberin, die es gewohnt ist, mehr Meilen per Flugzeug als mit einem anderen Verkehrsmittel zurückzulegen. Ich beobachtete die Menschen um mich herum. Immer mehr setzten sich auf einen der Stühle vor dem Gate: ein junger Mann mit großen Kopfhörern, dann eine junge Frau, die scheinbar auch alleine flog, ein durchgestyltes Pärchen und ein etwas älteres Ehepaar. Je mehr Zeit verging, desto mehr Menschen gesellten sich dazu.

Amüsiert beobachtete ich ein kleines Mädchen. Mir war es schon früher aufgefallen, wie es durch die Gegend wackelte, wie es nur kleine Kinder taten. Dunkle Haare, dunkle Augen, die Welt noch entdeckend und interessiert an seiner Umgebung. Mit im Schlepptau war die Mutter, die immer auf ihr Kind Acht gab. In einem scheinbar günstigen Moment ging die Kleine ohne viel nachzudenken Richtung Gate, überschritt die unsichtbare Linie und war verschwunden. Als die Mutter das sah, holte sie ihr Kind zurück. Die Vorfreude des Kindes auf den Flug war wohl ziemlich groß.

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Vielleicht sollten wir manchmal wie dieses Kind sein. Wir alle haben Träume und Sehnsüchte. Auch uns bieten sich offene Türen, durch die wir jedoch – anders als das Kind – nicht gehen, aus Angst vor dem, was uns dahinter erwartet. Dabei ist das eigentliche Ziel ein Traum von uns, nach dem wir uns tagtäglich sehnen. Die unsichtbare Linie, die uns jedoch an der Umsetzung scheitern lässt, sind oftmals wir selbst mit unseren Gedanken, Ängsten und Einwänden. Oder wir lassen uns von jemandem zurückhalten, dessen Bedenken und Zweifel größer sind als unsere eigenen.

Vielleicht brauchen wir manchmal auch einfach jemanden, der auf uns wartet. Von dem wir sicher sein können, dass man sich auf ihn verlassen kann, dass er da sein wird, dass er die gleiche Leidenschaft teilt. Der uns indirekt vielleicht auch dazu auffordert, die eigenen Grenzen zu überschreiten und Neues zu wagen. Das können Freunde, Partner, Familienangehörige, aber auch Fremde sein.

Mut ist die Akzeptanz von Risiko

Möglicherweise kommt später irgendwann der Moment, in dem wir uns fragen, wie wir diese Entscheidung jemals treffen konnten. Aber vielleicht ist es auch die beste Entscheidung deines Lebens, genau der richtige Zeitpunkt. Genau die richtige Wahl. Genau die richtige Erfahrung. Hat Glücklichsein nicht oftmals etwas mit Mut und dem Eingehen eines Risikos zu tun? Lernen wir neue Menschen kennen, dann geben wir ihnen meist einen Vertrauensvorschuss, der so groß ist, wie unser Bauchgefühl es zulässt. Bei einer Partnerschaft wagen wir den Schritt der Zweisamkeit ohne Garantie auf lebenslangen Erfolg. Beim Alleinreisen überwinden wir unsere Ängste, ohne Gewähr, dass die Reise auch wirklich so toll wird wie erwartet.

Persönliche Grenzen zu überschreiten gehört mit dazu, wenn wir wachsen wollen. Das kann der Schritt aus der eigenen Komfortzone sein oder das Ausprobieren von Neuem, das Erlernen eines neuen Hobbys oder eines neuen Berufs. Es gibt keine Garantie zum Erfolg, aber auch keine zum Scheitern. Wer Neues wagt, muss mit Misserfolgen rechnen. Doch wer sagt, dass wir selbst aus diesen nicht lernen können?

Wägen wir also ab zwischen Sehnsucht und Ängsten, zwischen Träumen und Bedenken. Lassen wir es zu, manchmal Angst vor der eigens getroffenen Entscheidung zu haben und reden wir darüber. Sollte das Bauchgefühl Alarm schlagen, dann gibt es ebenso die Möglichkeit, die Entscheidung rückgängig zu machen. Und das sollten wir dann auch tun. Denn das ist manchmal notwendig und ebenso mutig. Seien wir stolz auf uns, etwas gewagt zu haben, was wir eigentlich schon früher ausprobieren wollten. Letztendlich muss die Entscheidung nicht für unsere Umgebung stimmen, sondern für uns selbst. Wir müssen mit unserem eigenen Leben zufrieden sein.

„Am Ende stellt sich die Frage: Was hast du aus deinem Leben gemacht? – Was du dann wünschst getan zu haben, das tue jetzt.“ (Erasmus von Rotterdam)

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2 Gedanken zu “Mut ist die Akzeptanz von Risiko

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