G. Müller: Comeback mit Backpack

Als Frau mit Ende fünfzig den Rucksack aufschnallen und ab nach Südamerika? Und wie war es eigentlich vor 37 Jahren? Ein doppelter Reisebericht über Montevideo, Chicha, Yoga, etwas Naivität, jeder Menge Aufgeschlossenheit – und einem Herz, das für die Menschen und Kulturen Südamerikas schlägt.

Gitti Müller wagt den Schritt, den sie vor über 30 Jahren schon einmal gemacht hat allerdings damals mit einem Reisepartner, ohne Smartphone und mit derben Lederboots: Sie fliegt mit Ende fünfzig mit ihrem Backpack nach Südamerika. Besser gesagt nach Montevideo.

„So aber halte ich die Augen geschlossen und sehe den Schriftzug Montevideo vor mir. Der nächste Gedanke ist: Da muss ich hin. Unbedingt!
(Müller, G.: Comeback mit Backpack. München 2017, S. 9.)

Und so packt sie minimalistisch ihren neu erstandenen Rucksack und geht. Alleine. In Ihrem Buch „Comeback mit Backpack – Eine Zeitreise durch Südamerika“ erzählt sie Geschichten von Airbnb-Begegnungen, dem Besuch einer Murga („eine[r] Art Straßenoper“, S. 100), den Auswirkungen des Klimawandels und dem Unverständnis gegenüber rücksichtslosen Backpackern, die um jeden Preis für den Null-Tarif reisen wollen. Zwischendrin immer Rückblenden zu damals, ihrem ersten, analogen Trip nach Südamerika, der gespickt war von Unwissenheit, Begegnungen mit Soldaten – aufgrund der herrschenden Militärdikatur in Bolivien – bis hin zu besonderen kulinarischen Essgewohnheiten, die selbst sie Überwindung gekostet hat. Dazwischen Informatives über die Menschen und ihre Kulturen, wie beispielsweise das Konsumieren von Coca oder der Sprache Aymara. Der Respekt und die Liebe, die sie gegenüber diesen fremden Kulturen hat, ist stets spürbar.

Die Autorin schafft den Spagat zwischen unterhaltendem und informierendem Reisebericht, humorvollen Abschnitten und kritischen Gedanken, mit denen sie zum Nachdenken – nicht nur bei Reisenden – anregt:

„Es ist die Kehrseite der Moderne: Das Reisen ist so einfach geworden, dass wir vor lauter Globalisierung manchmal vergessen, wo wir eigentlich sind. Wir wollen es exotisch und außergewöhnlich, ohne unsere Gewohnheiten hinter uns zu lassen. […] Dabei verpassen wir unzählige Chancen, etwas Neues auszuprobieren.“
(Müller, G.: Comeback mit Backpack. München 2017, S. 171.)

Erlebte Begegnungen wie die mit einem Amerikaner, der um die Welt schippert, bewegen den Leser, wenn er von dessen Lebensgeschichte liest. Es ist die Nähe, welche die Autorin schafft zu vermitteln, so dass man am liebsten gleich selbst nach Südamerika reisen möchte, um all das vor Ort kennenzulernen: den Titicacasee, Montevideo, den Cahuita-Nationalpark und die freundlichen Menschen. Sie zeigt, dass das Reisen und Backpacken keine Frage des Alters oder des Geschlechtes ist. Vielmehr ermutigt sie Menschen, diesen Schritt zu wagen, sei es alleine oder zu zweit, als Mann oder als Frau. Sie zeigt dem Leser, dass sie jemand ist wie du und ich, dass sie weiß, wie es ist, sein Kind alleine losziehen zu lassen, dass auch sie als Mutter sich Sorgen macht, auch wenn sie selbst schon so viel erlebt hat. Lebensfrohsinn und Aufgeschlossenheit sind im ganzen Buch bemerkbar.

Wer Reiseberichte mag und gegen Humor, fremde Kulturen und nachdenklichem Input nichts einzuwenden hat, wird dieses Buch lieben. Die einfache Sprache, die den Inhalt nicht mindert, ist leicht verständlich. Für mich eines der besten Bücher, das ich in letzter Zeit gelesen habe.

Die Autorin

Gitti Müller schreibt nicht nur auf ihrem Blog „Comeback mit Backpack“ über ihre Reisen, sondern ist unter anderem auch Fernsehjournalistin und Ethnologin. Eine Leseprobe ihres Buches findet ihr hier.

ISBN: 978-3-89029-142-0
Piper Verlag
16,99 Euro

N4

Das Buch wurde mir von der Autorin und dem Piper Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt. Die hier dargestellte Meinung entspricht dennoch nur meiner eignen.

 

 

 

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3 Gedanken zu “G. Müller: Comeback mit Backpack

  1. Pingback: Danke für die Blumen | Comeback mit Backpack

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